MacOS 10.13

macOS 10.13 was verbirgt sich dahinter?

Schon ein Vierteljahr nach Veröffentlichung von macOS Sierra (10.12) deutet sich bereits die Marschrichtung für das nächste große Update des Mac-Betriebssystems an macOS 10.13. Macbook Nutzer-müssen sich von nun an damit abfinden die nur noch in der zweiten oder dritten Reihe zu tanzen. Auch sind andere große Einschnitte zu erwarten.

Apple gab sich nach der lauten Kritik an den neuen Macbook Pro sehr wortkarg. Keine Stellungnahme zu neuen Fassungen von Mac Mini, Mac Pro oder iMac. Stellenstreichungen in der Abteilungen, die sich Apple Script, Time Machine und AirPort Express gekümmert haben, lassen zudem auf keine allzu rosige Zukunft des Mac und damit macOS als Betriebssystem hoffen.

Vom Pro zum Konsumenten

Mit der Vorstellung des neuen Macbook mit Touch Bar geht Apple bekannte Wege: Alte Anschlüsse werden gestrichen und die Hardware wird flacher und etwas leichter. Kamen bisher aber auch gehörige Leistungsschübe hinzu, blieben diese bis auf extrem schnelle SSDs nahezu aus.

Doch auf der Softwareseite gibt es seit Jahren keine große Neuausrichtung. Mit der Namensänderung von OS X zu macOS hat Apple das eigene Computer-Betriebssystem auf eine Stufe mit denen für das iPhone oder die Apple Watch gestellt. Hinzu kommt das Apple TV, intern ringen diese vier Sparten nun um Aufmerksamkeit. Wer also auf allzu große Änderungen mit macOS 10.13 hofft, der wird nächsten Sommer enttäuscht werden.

Apple schließt Automation Technologies

Apple Script und Automator waren die Schnittstellen der Wahl, wenn es um Automatisierung und Vereinfachung rund um OS X beziehungsweise macOS ging. Die beiden Technologien haben eine lange Geschichte und sind tief in der Philosophie des Mac-Betriebsystems verankert. Vor kurzem hat aber Apple die Stelle des  “Product Manager of Automation Technologies” gestrichen –  Sal Soghoian hatte diese seit 1997 inne.

Mit dem Wegfall der Position scheinen auch die Tage von Apple Script und Automator gezählt: macOS 10.13 wird also wohl ohne die beiden Werkzeuge erscheinen. Mit der Einführung von Siri erhofft sich Apple einen Assistenten geschaffen zu haben, der tägliche Aufgaben schneller erledigt. Auch wenn nur wenige die beiden Automatisierungen Apple Script und Automator je genutzt haben, fallen für  professionellen Nutzer weitere Werkzeuge für ihre tägliche Arbeit weg.

Alles läuft über die iCloud

Der nächste tiefere Einschnitt betrifft Time Machine mitsamt Hardware. Apple baut allem Anschein nach keine weitere Wi-Fi-Hardware wie AirPort Express oder Time Capsule. Nachdem iOS schon fleißig die Sicherungen in die iCloud verlagert, ist der Mac mit macOS 10.13 als nächstes dran. Die Zeichen verdichten sich, dass die lokale Time Machine durch ein Backupsystem in der iCloud ersetzt wird.

Viele Apps verwenden ohnehin schon die iCloud für Anwendungsdateien, so sind für den Großteil der Aufgaben keine lokalen Sicherungen mehr nötig. Nutzer mit geringer Internetgeschwindigkeit schauen hierbei jedoch in die Röhre. Für solche ist die Sicherungskopie wichtiger Daten auf  externer Festplatte alternativlos. Aber auch eine weitere Änderung läutet das Ende der beliebten Time Machine ein: Das neue Apple Dateisystem. Dieses ist nämlich inkompatibel mit dem Sicherungsmechanismus des seit Mac-OS X 10.5 Leopard im System enthaltenen Backupsystems.

APFS – Das Apple Dateisystem

Das in diesem Sommer auf der WWDC vorgestellte Dateisystem mit dem Namen APFS bringt einige Änderungen mit sich. Die Verschlüsselung lässt sich unterschiedlich stark einstellen und nach den eigenen Bedürfnissen anwenden. Anders als das bisherige System (HFS+) das mit Hilfe von FileVault verschlüsselt wurde, bringt das neue Dateisystem Verschlüsselungen von Haus aus mit. Dabei ist es auch möglich, neben den Standardvarianten auch einen eigenen Schlüssel fest zu legen.

APFS bringt auch Snapshots und Clones mit: Snapshots speichern den aktuellen Zustand des Betriebssystems und lassen sich zu einem späteren Zeitpunkt wiederherstellen. Diese Verfahren ersetzt den bisherigen Time-Machine-Mechanismus, der sogenannte “Hard Links” verwendet, um auf spezielle Dateiblöcke zu referenzieren.

So funktioniert der Snapshot mit APFS

Die erstellten Snapshots sind nur lesend (“Read-Only”) verfügbar, eignen sich also nicht für spätere Änderungen. Genau hier kommen die Clones zum Einsatz. Mit diesen ist eine Versionierung möglich. Dadurch lassen sich, wie jetzt schon bei Apples Apps, Versionen zwischen speichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder hervor holen. Möglich also, dass App-Hersteller in Zukunft einfache Versionierungen für ihre eigenen Programme ohne großen Aufwand anbieten können.

Bisher lässt sich das Dateisystem unter macOS Sierra nur zu Testzwecken aktivieren und noch nicht als Startvolumen verwenden. Im nächsten Jahr wird jedoch APFS das bisherige HFS+ als Standarddateisystem für den Mac ersetzen. Nicht erwähnenswert ist die Voraussetzung eines 64-Bit-Systems. Ältere Macs werden mit macOS 10.13 und APFS nicht zurecht kommen. 32-Bit-Prozessoren sind jedoch sowieso schon seit längerem aus dem OS-X- beziehungsweise macOS-Upgradeprogramm ausgeschlossen.

Siri rückt in den Fokus

Die Vision, dass Siri immer mehr Spotlight ablöst, ist zumindest in den Köpfen einiger Apple-Ingenieure und -Manager durchaus vorhanden. Der Sprachassistent hat schon in macOS Sierra einen prominenten Platz neben dem Lupensymbol eingenommen. Das Ziel, iOS Nutzer weitestgehend den Umstieg auf den Mac zu vereinfachen, wird auch mit macOS 10.13 weiter voran schreiten. Siri könnte also noch mehr Aufgaben erledigen als bisher schon – und Spotlight bald völlig überflüssig machen.

Das Verschwinden von Automator und Apple Script treibt diesen Trend nur noch schneller voran. Anstatt Nutzern mit kompliziert erscheinenden Funktionen einer Script-Sprache das Leben zu erleichtern, wird man bei Apple das Ziel haben, eine Künstliche Intelligenz an die Stelle von Skriptsprachen treten zu lassen. Siri wird also vielleicht schon in der kommenden Version Aufgaben übernehmen, wie Bilder zu verkleinern und zu sortieren.

Das Dock verschwindet

Eine etwas waghalsige Aussage, dennoch dürfen sich Besitzer eines Macbook Pro mit Touch Bar freuen. Denn wozu soll es noch ein Dock beziehungsweise eine Menüleiste geben, wenn doch alles auf der Touch Bar abgebildet werden kann? Das macht das Vollbild-Erlebnis auf dem Mac besser – es wird zum neuen Standard. Der Übergang vom iPad Pro mit 12,9 Zoll zum Macbook Pro wird demnach immer fließender.

Wer braucht noch ein Dock, wenn er eine Touch Bar hat?

Durch die Verschiebung des Docks auf die Touch Bar bleibt mehr Raum auf dem Bildschirm, und lässt den Mac wie ein iPad mit Tastatur erscheinen. Einziger Unterschied ist hier noch der schnellere Prozessor und das Betriebssystem. Auf kurz oder lang wird das Ende des Mac außerhalb von Nischenanwendungen unausweichlich sein. Die Einführung der Touch Bar war nur der erste Schritt auf dem Weg dorthin.

Fazit

Ob Apple wirklich noch große Pläne mit macOS verfolgt, bleibt fraglich. Interne Umstellungen und Produktauslegungen legen nahe, dass macOS zwar nicht mit iOS verschmilzt, die mobile Variante des Apple Betriebssystem ist jedoch die Zukunft. Post-PC-Geräte mit iOS werden Macs mit macOS irgendwann ganz ablösen.

Nach wie vor muss aber Apple den Spagat hinbekommen und auch Anwendungsentwickler bedienen, die immer noch auf macOS angewiesen. Auch professionellere Arbeiten wie Videoschnitt und Fotobearbeitung sind auf dem Mac nach wie vor besser zu erledigen. Das neue Dateisystem lässt darauf hoffen, dass Apple den Mac noch nicht ganz abgeschrieben hat. APFS gibt aber wohl bald auch als mobile Variante für das iPhone und das iPad. Das Macbook Pro war nur ein Vorbote dafür, in welche Richtung sich der Mac und sein Betriebssystem entwickeln werden.

(Quelle: www.macwelt.de)