Am Abend des 31. August 2026 konnten viele Firmen ihr Postfach nicht mehr öffnen. Kein Angriff, kein Fehler beim Kunden. Bei Microsoft war ein internes Zertifikat abgelaufen – an einer Authentifizierungskomponente.
Weil mehrere Dienste dieselbe Komponente nutzen, fiel nicht fünfmal etwas aus. Es fiel einmal etwas aus, fünffach sichtbar: Exchange Online, Teams, SharePoint, OneDrive und Defender XDR. Microsoft führte den Vorfall unter der Kennung EX1464935. Bis zur vollständigen Entwarnung dauerte es Tage; am 3. September stand im Service-Health-Portal noch eine Diensteinschränkung.
Für einen Betrieb mit 25 Arbeitsplätzen heisst das: keine E-Mail, keine Dokumente, keine Telefonie über Teams, kein Blick in die Sicherheitskonsole. Alles zur gleichen Zeit, alles aus demselben Grund.
Warum das kein Zufall war
Moderne Arbeitsplatzpakete sind so gebaut. In einem Microsoft-365-Paket der Business-Klasse liegen fünf Dinge im selben Konto und hinter derselben Anmeldung:
- die Identität – wer sich anmelden darf
- die Geräteverwaltung – wie Computer eingerichtet und verwaltet werden
- der Endpunktschutz – der Virenschutz auf den Geräten
- E-Mail und Dokumente
- das Archiv – die Aufbewahrung der E-Mails
Das ist bequem und günstig. Es ist aber auch eine gemeinsame Ausfalldomäne. Ein Problem an der Anmeldung ist ein Problem an allem, was hinter der Anmeldung liegt. Das ist keine Kritik an Microsoft, sondern eine Eigenschaft von Bündeln: Sie teilen Vorteile, und sie teilen Risiken.
Zwei Tage später stellte der Bundesrat dieselbe Frage
Am 2. September 2026 nahm der Bundesrat eine Machbarkeitsstudie der Bundeskanzlei zur Kenntnis. Die Frage darin: Kann der digitale Arbeitsplatz der Bundesverwaltung auch mit Open-Source-Software funktionieren? Die Antwort lautet grundsätzlich ja. Geprüft wurden unter anderem Nextcloud für die Dateiablage, Open-Xchange als Ersatz für Exchange und Collabora Online für die Dokumentbearbeitung.
Das steht nicht allein. Der damalige Armeechef forderte im September 2025 eine Ausstiegsstrategie aus der Microsoft-Cloud. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag ersetzt Microsoft Office durch die europäische Plattform OpenDesk. Dänemark wechselt in der Verwaltung auf LibreOffice. Und die Zürcher Zivil- und Strafgerichte sind dem Netzwerk «Souveräne Digitale Schweiz» beigetreten, dessen Zentrum seit Mai 2026 mit 31 Behörden und Schweizer IT-Unternehmen zusammenarbeitet.
Der Bund rechnet also durch, was passieren würde, wenn er aussteigen müsste. Die meisten KMU haben diese Rechnung nie gemacht – und das ist verständlich, weil niemand danach fragt, solange alles läuft.
Datenstandort, Datenschutz und Datensicherheit sind drei verschiedene Dinge
In Verkaufsgesprächen fallen diese drei Begriffe oft in einem Satz. Sie beantworten aber drei völlig verschiedene Fragen.
Datenstandort – wo die Daten liegen. Schweiz. Das steht in praktisch jedem Angebot, und es stimmt.
Datenschutz – wer zugreifen darf. Hier hilft der Standort nur begrenzt. Der US CLOUD Act verpflichtet amerikanische Anbieter, Daten auf eine rechtmässige Anordnung aus den USA herauszugeben – unabhängig davon, wo die Server stehen. Entscheidend ist, wer den Anbieter kontrolliert, nicht in welchem Gebäude die Festplatten liegen. Microsoft hat dazu öffentlich festgehalten, jede Anfrage anzufechten, für die eine rechtliche Grundlage besteht. Das ist eine Zusicherung, keine technische Sperre.
Datensicherheit – ob Sie die Daten überhaupt noch haben. Das ist die Stufe, die ein Paket für sich selbst nicht leisten kann.
Ein Archiv im selben Konto ist keine zweite Kopie
Das ist der Punkt, der in der Praxis am häufigsten übersehen wird. Ein E-Mail-Archiv, das im gleichen Konto liegt und über dieselbe Anmeldung erreichbar ist, ist keine Sicherung. Es ist dieselbe Kopie an einem zweiten Ort im gleichen Haus.
Bei Ransomware, bei einem übernommenen Administratorkonto, bei einer Fehllöschung, bei einem Lizenzproblem oder bei einem Ausfall wie dem vom 31. August ist es mitbetroffen. Die Grundregel jeder Datensicherung lautet: Eine Kopie, die dasselbe Schicksal teilt, ist keine Kopie.
Warum das Paket günstiger ist – und was der Rabatt kostet
Ein Bündel, das Lizenzen, Sicherheit, Geräteverwaltung und Archiv zusammenfasst, ist günstig. Dafür gibt es drei nachvollziehbare Gründe, und keiner davon ist unseriös.
Erstens der Skaleneffekt: Software für hunderte Millionen Nutzer kostet pro zusätzlichem Arbeitsplatz fast nichts.
Zweitens bindet Bündelung. Ein Paket ist günstiger als die Summe seiner Teile, weil es Sie behält. Ein legitimes Geschäftsmodell – man sollte nur wissen, womit man den Rabatt bezahlt: mit der Fähigkeit, einen einzelnen Teil zu wechseln.
Wie das aussieht, war am 1. Juli 2026 zu sehen. Microsoft erhöhte die Preise für Geschäftsabonnements weltweit: Business Basic um 16,7 Prozent, Business Standard um 12 Prozent, die Frontline-Pläne um bis zu 33 Prozent. Begründet wurde das mit neuen Funktionen in KI, Sicherheit und Geräteverwaltung; Copilot Chat wurde fest in die Office-Anwendungen integriert, nicht als abwählbares Zusatzprodukt. Wirksam wird der neue Preis bei der nächsten Vertragsverlängerung. Wer alles beim selben Anbieter hat, kann darauf nicht mit dem Wechsel eines Teils reagieren – nur mit dem Wechsel von allem oder mit Bleiben.
Drittens steckt im Lizenzpreis keine Arbeit. Eine Lizenz ist eine Lizenz. Einrichtung, laufende Überwachung, eine Wiederherstellung, die auch getestet wurde, und ein Mensch, der Ihren Betrieb kennt: Das ist entweder zusätzlich – oder es passiert nicht.
Vier Fragen, die Sie ohne IT-Kenntnisse stellen können
- Was von unserem Betrieb hängt an einem einzigen Anbieterkonto? E-Mail, Dokumente, Telefonie, Geräteverwaltung, Virenschutz – wie viele davon?
- Liegt unsere Sicherung ausserhalb dieses Kontos, bei einem anderen Anbieter?
- Kommen Internet und Telefonie aus demselben Haus? Dann fällt bei einem Leitungsproblem beides gleichzeitig aus – auch die Möglichkeit, den Ausfall zu melden.
- Wenn wir in zwölf Monaten einen Teil wechseln wollten: Was wäre nur dieser Teil, und was hängt mit? Und wer hat das aufgeschrieben?
Bleibt die letzte Frage unbeantwortet, ist das die Antwort.
Wie wir das bei padcom lösen
Wir liefern Microsoft 365 selbst. Es geht nicht darum, Microsoft zu ersetzen, sondern darum, nicht alles in ein einziges Konto zu legen.
- Die Sicherung liegt ausserhalb von Microsoft, vollständig unabhängig, in drei Schweizer Rechenzentren. Wenn Ihr Konto nicht verfügbar ist, ist Ihre zweite Kopie es trotzdem.
- Jeder Kunde hat eine eigene Umgebung. Keine geteilte Infrastruktur: Aufbewahrungsfristen nach Ihren Anforderungen, eine Wiederherstellung, die niemanden sonst betrifft, und ein Umzug, der nur Sie betrifft.
- Internet und Telefonie kommen nie vom gleichen Anbieter. Bewusst getrennt, damit ein Ausfall nicht beide Wege gleichzeitig schliesst.
- Die Telefonie läuft nicht über Teams, sondern auf einer eigenen VoIP-Plattform.
- Das E-Mail-Archiv ist ein eigenes System – eine zweite, eigenständig durchsuchbare Kopie, nicht ein Ordner im selben Konto.
- Die Geräteverwaltung läuft nicht über Intune und nicht über eine Domäne. Die Anmeldung Ihrer Computer hängt damit nicht an einem zentralen Verzeichnisdienst. Ihre Geräte lassen sich verwalten, warten und neu aufsetzen, auch wenn das Microsoft-Konto gerade nicht erreichbar ist.
Das ist aufwendiger zu bauen und es kostet mehr als ein Paketpreis. Ein vollständig betreuter Arbeitsplatz liegt bei rund 200 Franken pro Monat, abhängig von Grösse, Standorten und Anforderungen – ein Erfahrungswert aus dem Betrieb, kein Tarif. Enthalten sind Geräte, Lizenzen, Wartung, Ersatz bei Defekt, Überwachung und der Service an den bezogenen Diensten. Bedienungsfragen, Drittsoftware, zusätzliche Konfigurationen und Fehlmanipulationen rechnen wir nach Aufwand ab. Wir schreiben das hin, weil «Support unbegrenzt inklusive» in keiner Offerte der Wahrheit entspricht.
Der Gegenwert ist einfach zu beschreiben: Fällt ein Teil aus, arbeitet der Rest weiter. Und wenn Sie einen Teil wechseln wollen, wechseln Sie diesen Teil – nicht Ihren Betrieb.
Quellen
- Microsoft-365-Störung vom 31. August 2026, Vorfallkennung EX1464935 und MO1465074, sowie die betroffenen Dienste: Berichterstattung von itmagazine.ch, Borns IT- und Windows-Blog und IT-Administrator, 31. August bis 3. September 2026.
- Machbarkeitsstudie der Bundeskanzlei zum Open-Source-Arbeitsplatz, Kenntnisnahme durch den Bundesrat am 2. September 2026.
- Zentrum «Souveräne Digitale Schweiz», Lancierung Mai 2026, netzwerksds.ch.
- US CLOUD Act und Datenstandort: Fachbeiträge von BDO Schweiz und weiteren Schweizer Anbietern, 2026; Stellungnahme von Microsoft zur digitalen Souveränität in der Schweiz, Februar 2026.
- Preisanpassung Microsoft 365 per 1. Juli 2026: Fachpresse, Juni bis August 2026.
Bild: AS Photography / Pexels
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